Fortpflanzung

Die Ankunft von Fohlen ist sowohl für die Tiere als auch für deren Besitzer*innen eine aufregende Zeit.

Der Deckakt

Wann erreichen Lamas und Alpakas die Geschlechtsreife?

Das ist bei jedem Tier unterschiedlich. Durchschnittlich liegt dieser Zeitpunkt bei einem Alter von etwa 1,5 Jahren.

Die Geschlechtsreife ist jedoch nicht dasselbe wie die Zuchtreife (also jener Zeitpunkt, ab dem die Tiere zur Zucht eingesetzt werden sollten).

Bei Hengsten liegt die Zuchtreife bei etwa 2 Jahren. Auch Lama-Stuten können ab diesem Alter gedeckt werden. Bei Alpaka-Stuten liegt die Zuchtreife sogar bei 14-18 Monaten.

Aber: Voraussetzung ist, dass die Stute bereits mehr als zwei Drittel ihres Endgewichts erreicht hat.

Wann sollte der Deckakt stattfinden?

Grundsätzlich sind Alpakas und Lamas das ganze Jahr über paarungsfähig. Bei der Zucht wird aber meist darauf geachtet, dass die Geburt entweder im Frühling oder im Herbst erfolgt. Dadurch ist das Fohlen vor zu starker Kälte oder Hitze geschützt.

Da etwa 11,5 Monate zwischen Befruchtung und Geburt liegen, findet auch der Deckakt meist im Frühling oder Herbst statt.

Wie sieht der Deckakt aus?

Das “Spektakel” beginnt meist mit einem Vorspiel. Dabei verfolgt der Hengst die Stute und zwingt sie schließlich zum Hinlegen. Der Deckakt selbst erfolgt im Liegen. Auffällig ist das sogenannte “Orgeln” des Hengstes während des Aktes. 

Der Deckakt dauert in etwa eine halbe Stunde. Oft sogar länger.

Trächtigkeit

Wie merke ich, dass eine Stute trächtig ist?

Am „dicken Bauch“ kannst du das zu Beginn jedenfalls nicht erkennen. Am stärksten wächst das Fohlen nämlich erst im letzten Drittel der Trächtigkeit.

Bei Lamas und Alpakas gibt es jedoch einen ganz besonderen „Trick“ wie du herausfinden kannst, ob eine Stute trächtig ist oder nicht: Nähert sich ein Hengst der Stute (um sie zu decken) und wehrt sich diese mit heftigem Spucken, dann deutet das darauf hin, dass die Stute bereits trächtig ist.

Gut zu wissen: Lama- und Alpaka-Stuten haben keinen Zyklus. Stattdessen wird der Eisprung direkt vom Deckakt ausgelöst.

Wie lange ist die Stute trächtig?

Grundsätzlich kannst du dir merken: Die Trächtigkeitsdauer liegt bei etwas weniger als einem Jahr. Um genau zu sein: Zwischen 330 und 370 Tage. Durchschnittlich wären das etwa 350 Tage.

Gut zu wissen: Mehrlingsgeburten sind bei Lamas und Alpakas äußerst selten. Fast immer bringen die Stuten ein Fohlen zur Welt.

Die Geburt

Geburten verlaufen in der Regel reibungslos. In etwa 90% der Fälle treten keine Schwierigkeiten auf und die Stute benötigt keine Hilfe.

Wie bemerke ich eine nahende Geburt?

Oft verläuft eine Geburt unangekündigt und überraschend. Manchmal kannst du aber bestimmte Anzeichen erkennen:

  • Absonderung der Stute von der Herde
  • geschwollene Schamlippen und geschwollener Euter
  • Stute steht öfters am Kotplatz und setzt kleine Mengen an Urin oder Kot ab
  • Stute legt sich öfters hin und steht gleich wieder auf

Gut zu wissen: Geburten finden meist am Vormittag sowie häufig bei Schönwetter statt.

Der Grund für diese Besonderheit: Die Fohlen sind bei der Geburt noch ganz nass vom Fruchtwasser und müssen erst einmal trocken werden. Geht die Geburt am Vormittag vonstatten, so haben die Jungtiere genügend Zeit, bis zum Abend hin trocken zu werden (in der Nacht ist es nämlich in der Regel kühler).

Wie sieht eine normale Geburt aus?

Meist bringen die Stuten ihr Fohlen im Stehen zur Welt – manche aber auch im Liegen. Bei einer normalen Geburt erscheinen zuerst der Kopf sowie die Vorderbeine. Bei richtiger Lage zeigen die Fußsohlen der Beine nach unten.

Es folgen die Schultern und der Brustkorb. Das Fohlen „hängt“ nun bereits aus der Scheide und die Schwerkraft hilft mit, auch das Becken hervorzubringen.

Schließlich fällt das Fohlen zu Boden, wobei die Nabelschnur reißt. Oft befindet sich das Jungtier zu diesem Zeitpunkt noch in einer Hülle. Um atmen zu können, muss es sich zuerst durch Strampeln aus der Hülle befreien.

Tipp: Hat das Fohlen zu sehr mit der „Befreiung“ zu kämpfen, kannst du ihm dabei behilflich sein.

Wann muss ich den Tierarzt rufen?

In diesen Situationen solltest du in erhöhter „Alarmbereitschaft“ sein und den Tierarzt rufen:

  • Die Wehen setzen ein und die Fruchtblase platzt aber das Fohlen wird (innerhalb von 15 Minuten) nicht sichtbar.
  • Lediglich ein Vorderbein kommt zum Vorschein und das zweite erscheint (innerhalb der nächsten 15 Minuten) nicht.
  • Nur die Vorderbeine sind sichtbar und der Kopf erscheint (nach maximal 15 Minuten) nicht.
  • Nur der Kopf ist sichtbar

Oft scheint es gar nicht so einfach, die Situation richtig zu beurteilen. Wie stelle ich rechtzeitig fest, dass sich das Fohlen in einer falschen Lage befindet?

Hier kann es hilfreich sein, ein Geburts-Seminar für Lamas und Alpakas zu besuchen. Diese werden meist von den Zuchtverbänden angeboten.

Dort erfährst du alles, was du als Halter*in rund um die Geburt wissen musst. Außerdem lernst du, wie du die Stute untersuchen und die Lage des Fohlens feststellen kannst.

Nach der Geburt

Wer ist die Neue?

Nach der Geburt wird das Fohlen meist neugierig von den restlichen Mitgliedern der Herde begrüßt und beschnüffelt.

Die Nachgeburt

Normalerweise verliert die Stute die Nachgeburt im Laufe der ersten 2 Stunden nach der Geburt. 

Achtung: An einer “heraushängenden” Nachgeburt darfst du keinesfalls ziehen. Hier musst du dich in Geduld üben. Oft dauert es einige Zeit, bis sie zu Boden fällt.

Wenn sie nach 6 Stunden immer noch nicht (vollständig) entfernt ist, solltest du dich an einen Tierarzt oder eine Tierärztin wenden. 

Kolostralmilch – das Lebenselexier

Nach der Geburt verfügt das Fohlen über keinerlei Abwehrkräfte und das Immunsystem muss erst aufgebaut werden. Eine lebensnotwendige Rolle dabei spielt die Kolostralmilch.

Kolostralmilch ist die erste Milch, welche die Stute nach der Geburt produziert. Sie ist besonders reich an Antikörpern und essenziell für das Immunsystem des Jungtieres.

Die Kolostralmilch kann vom Fohlen nur in den ersten 24 Stunden aufgenommen werden. Du musst also unbedingt sicherstellen, dass das Tier die Zitzen der Mutter findet und ausreichend trinkt!

Kein Kuscheln mit Lamas und Alpakas!

Zugegeben, die kleinen Lama- oder Alpaka-Fohlen sind unglaublich liebenswert. Doch egal wie „knuddelig“ sie aussehen mögen: Jungtiere dürfen in der Prägungsphase (= die ersten 9 Monate) auf keinen Fall einen zu engen Kontakt zum Menschen pflegen.

Alpaka Fohlen sollten in Ruhe gelassen werden.

Ansonsten könnten sie nämlich glauben, ihr Besitzer sei ein Artgenosse. Was sich zu Beginn durch ungewöhnliche Anhänglichkeit äußert, wird später zu einer echten Gefahr – besonders bei den Hengsten.

Sind die fehlgeprägten Hengste erst einmal erwachsen, sehen sie im Menschen einen Rivalen und greifen ihn an.

Man spricht hier vom sogenannten Berserk Male Syndrome. Womöglich muss ein solches Tier sogar eingeschläfert werden.

Tipp: Es ist zwar in Ordnung, das Fohlen gelegentlich kurz anzufassen, um es an den Kontakt zum Menschen zu gewöhnen. Dieser Kontakt sollte aber immer so kurz wie möglich gehalten werden.

Wann müssen Jungtiere von der Herde getrennt werden?

In der Regel bleiben die Jungtiere das erste Jahr in der Herde ihrer Mutter. Hengste müssen danach „entwöhnt“ (also von ihrer Mutter getrennt) werden. Weibliche Jungtiere können hingegen noch länger in der Stutenherde verbleiben.

→ Weiterlesen: FAQ: spannende Fragen